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Vorwort 

Dieser Fotoband folgt der verlagsgerechten Devise „Ein Bild sagt mehr als tausend Worte“. Somit lassen wir wiederum die Aufnahmen fĂĽr sich sprechen – ohne groĂźe Kommentierung. Lediglich eine räumliche und zeitliche Zuordnung in Kurztextform unter den Bildern informiert den Leser. Dieser Bildband beschränkt sich auf groĂźe Teile der zentralen Vulkaneifel, nicht erfasst ist die östliche Vulkaneifel. 

Fast alle Fotos stammen von dem Gerolsteiner Berufsfotografen Fredy Lange (1903 bis 1989), ergänzt wird diese eindrucksvolle Galerie von Aufnahmen des Gerolsteiner Lokalhistorikers Heinz Schmitz.  

In dieser Bildsammlung wird offenkundig, wie einzigartig diese Mittelgebirgslandschaft „Vulkaneifel“ ist. Schroffe Felsen, schluchtige Täler, an HĂĽgel angelehnte Dörfer, weite Mulden und spitze Vulkanberge, Kraterseen und Maare, die kleinen Metropolen Gerolstein und Daun – diese Motive sprechen allesamt fĂĽr sich und dokumentieren das „Innenleben“ der kleinen Städte und vieler Ortschaften in der Nachkriegszeit. 

Nichts verloren hat die GroĂźregion an ihrer Ausstrahlung und ihrem landschaftlichen Charme. Ob Burgen wie die Kasselburg oder das Burgenpaar in Manderscheid, ob Felsenland wie die Gerolsteiner Dolomiten, ob Maarlandschaften wie die der Dauner Maare oder geologische Besonderheiten wie das Trockenmaar „Papenkaule“ – die Vulkaneifel hat sich immer ihren besonderen Reiz bewahrt. Diesen Charme und die Einzigartigkeit der Mittelgebirgslandschaft hat Fredy Lange in bestechenden Bildern dokumentiert. Viele Jahrzehnte war er unterwegs, um die Landschaft zu porträtieren und die Gesichter der Dörfer und Städte fotografisch in Szene zu setzen. 

Touristisch hat die Vulkaneifel in den Nachkriegsjahren, bedingt durch die Anziehungskraft der Maare, Burgen und Naturschönheiten, schon immer einen hohen Stellenwert genossen. Dies konnte in den beiden letzten Jahrzehnten mit Hilfe erfolgreicher Förderungsprogramme und Einrichtungen wie den „Eifelsteig“, Geo-Wanderwege und GästefĂĽhrungen noch weiter gesteigert werden. Zu den besonderen Attraktionen gehören neben Museen, Kirchen, dörflichen Einrichtungen besonders die Juwele der Landschaft. Die „Augen der Eifel“, wie die Maare poetisch genannt werden, sind dabei die besonderen Attraktionen. 

Frau Edith Löckenhoff-Lange (Bergkamen), Herrn Heinz Schmitz und Herrn Rainer Nowotny (beide Gerolstein) danke ich für die freundliche Unterstützung.

Ich wĂĽnsche den Lesern und Betrachtern der historischen Aufnahmen ein „offenes Auge“, viel Freude bei der historischen Zeitreise und Spurensuche sowie MuĂźe zur RĂĽckbesinnung. 

Joachim Schröder
Pronsfeld, im Winter 2012 

 

Fredy Lange – beliebtes „Original“ und professioneller Fotokünstler
Der Gerolsteiner Berufsfotograf hinterlieĂź der Nachwelt eine FĂĽlle einzigartiger Fotos

Fotograf, Dichter, Musiker und liebenswerter Mensch: Von Fredy Lange (1903  bis 1989) ist uns eine Menge Lesens- und Berichtenswertes ĂĽberliefert. Köstliche Geschichten aus der Lebenspraxis, viel von Fantasie und Mut, groĂźe berufliche Kompetenz und ein in die Eifel verliebter Heimatmensch. Ihm verdanken die Freunde der lokalen Historie und Eifelforscher eine FĂĽlle von Fotos, die die Schönheit der Vulkaneifel in einem besonders hohen MaĂźe widerspiegeln.

Heinz Schmitz aus Gerolstein hat in seinem Werk „Damals in der Eifel“ (Helios Aachen, 1998) die Charakteristik und Schaffenskraft dieser hoch geachteten Persönlichkeit wie folgt wiedergegeben: „UnermĂĽdlich im Angehen des Motivs, hingebungsvolles EinfĂĽhlen, Ausdauer im Erfassen des rechten Augenblicks und meisterliche Beherrschung des fotografischen Handwerks verleihen seinen Aufnahmen eine unverwechselbare Handschrift. Trotz aller Talente und Erfolge blieb er immer ein bescheidener Mensch“. 

In der Tat: Fredy Lange war ein Meister seines Faches. Unzählige Aufnahmen von Gerolstein, dem Kylltal, der engeren Vulkaneifelheimat, der Stadt PrĂĽm, der Dörfer Schönecken, Neroth oder Kerpen – um nur einige Beispiele zu nennen – zeugen von der hohen Schaffenskunst des Meisters. Doch nicht nur das fotografische Handwerk beherrschte Lange, es war vor allem sein „Auge“, das ihn auf den richtigen Pfad leitete. Ausdauer und Geduld prägten sein Schaffen, verbunden mit der Gabe, alles ins rechte Licht zu rĂĽcken, ja „in Szene zu setzen“. Somit werden viele seiner Bilder zu Werken, die man „lesen“ muss. Seine Kraft und sein Mut zu inszenieren machen aus den Bildern Kunstobjekte. Nicht dass man darĂĽber streiten mĂĽsste, ob sie mal weniger gut, mal besser oder besonders gut gelungen sind, nein – es sind EindrĂĽcke, die Besonderes ausdrĂĽcken. Interpretationen sind bei der Betrachtung weniger hilfreich, vielleicht sollte sich der Betrachter einfach auf die Aussagekraft der Bilder einlassen.  

Beste Beispiele solcher Impressionen sind eindrucksvolle Landschaftsaufnahmen, menschliche Antlitze, Tiere auf der Weide, das bäuerliche Leben und Schaffen oder stille Augenblicke. Exemplarisch hierfĂĽr: die Kuhherde auf der Birresborner BrĂĽcke, die kletternden Ziegen an der Kasselburg oder die einsame BĂĽschkapelle im winterlichen Gerolsteiner Stadtwald  – alle Motive sind klug gewählt und prächtig in einen harmonischen Zusammenhang gestellt. So werden aus Fotos kleine „Gemälde“, freilich oft ohne Farbtöne. Denn die meisten Lange-Werke sind in schlichtem Schwarz-WeiĂź gehalten, gestalterisch auf das Wesentliche beschränkt, schnörkellos und ohne Beiwerk. 

Fredy Lange war ein Meister des Fotografierens. Gelernt hat er seinen Beruf beim Fotografen Boeren in Pelm. Als 12jähriger Junge bekam Fredy eine Plattenkamera, die er zunächst fĂĽr seine ersten Tier- und Landschaftsaufnahmen mit sich trug. Er lieĂź kaum eine Gelegenheit aus, diese AusrĂĽstung mit sich herumzuschleppen. Er hätte eine wichtige oder witzige Szene verpassen können! Vorwitz, Fantasie und Interesse an seiner geliebten Heimat waren die Motivation fĂĽr seine Fotografentätigkeit. Und in Gerolstein und Umgebung gab es eine Menge zu entdecken! 

 Geboren wurde Fredy Lange im Jahre 1903 in Köln-Kalk, kurze Zeit später zog die Familie in die Vulkaneifel, wo der Vater das „Hotel zur Post“ in Gerolstein ĂĽbernahm. Seine Jugend verbrachte Fredy  an der Kasselburg bei Gerolstein, wo Vater Franz Lange im Jahre 1908 die  „Forsthaus-Restauration“ ĂĽbernommen hatte. „Von den Burgen in der Eifel ist die schönste sie – ohne Zweifel“ heiĂźt es von Fredy Lange. Stolz warb der Vater bereits in den 20er Jahren fĂĽr seinen Sohn: „Gelegenheit zu photographischen Aufnahmen durch einen Berufsphotographen“. Später warb Fredy einfallsreich:

 â€žGehen Sie ohne Bange zu Photo Fredy Lange“ oder „Schöne Erinnerungen – von Ihnen photographiert, von uns und entwickelt und kopiert“. Bis zur Burg Eltz hat es ihn wohl nie verschlagen, sonst wäre dieser  bevorzugte Eindruck von der Kasselburg wohl nicht entstanden. Aber dennoch: Die Höhenlage dieses Burg-Ensembles ist faszinierend, der Blick nach Pelm hinunter gewiss ein einzig berauschendes Erlebnis fĂĽr alle Sinne. 

Fredy besuchte die Volksschule in Pelm. Es wird berichtet, dass der Schulbub hin und wieder mit einem Esel den Weg von der Burg in das Dorf hinabritt. Das Tier wurde dann an einem Pfahl auf dem Schulhof angebunden und von den Schulkindern liebevoll gehätschelt. Mittags erfolgte dann der Ritt zurĂĽck auf den Burgberg. Wintertags bediente sich der schlaue Fredy eines anderen Hilfsmittels: Dann sauste der Schuljunge mit dem Schlitten den Weg hinab ĂĽber die kurvige, noch unfertige LandstraĂźe oder suchte nach AbkĂĽrzungen. Das allerdings wurde ihm einmal zum Verhängnis. Bei einem schweren Sturz zog er sich eine Schenkelfraktur zu, so dass ihm ein Leben lang das Gehen zu schaffen machte. 

Fredy Lange war ein äuĂźerst beliebter Zeitgenosse, nicht zuletzt, weil er immer sprachgewandt und humorvoll auftrat. „Auf jedes Töpfchen hatte er ein Deckelchen“, weiĂź ein väterlicher Freund von ihm zu berichten. Sprachbegabung und Fabulierlust bezeugen auch kleine Heimatlieder, die er dichtete, SprĂĽche, die er öffentlich „klopfte“ und Reime, die er nebenbei schmiedete. Seine Dichtergabe hatte er von seinem Vater, der auch bereits die berĂĽhmte Kasselburg in vielen Strophen besang. Neben Kapelle, Burgbrunnen und Turmaussicht tat das der Vater nicht ohne Eigenwerbung: „Knurrt dir der Magen, geh zum Forsthaus ohne Zagen...“, lieĂź „Lange Senior“ verlauten. 

Auch das Musizieren war Fredy in die Wiege gelegt. Im Kaiserhof in der Stadt Gerolstein gab er zusammen mit einigen Musikerkumpels Kostproben seines Klavierspiels. Dabei hatte er eine besondere Vorliebe fĂĽr die Improvisation. Oftmals ĂĽberraschte er so eine illustre Gesellschaft, einheimische Lokalpolitiker, Jagdfreunde und Fischer mit seinem virtuosen Spiel am FlĂĽgel oder mit dem Akkordeon. 

Weniger schön waren die Kriegsereignisse, die den lebensfrohen Mann stark erschĂĽtterten. Nach der Einberufung erfolgten Kriegsdienst und Gefangenschaft, nach der Heimkehr in seine geliebte Heimat fand er sein Fotogeschäft nur noch als TrĂĽmmerhaufen vor. Doch Lange schuf den Neuanfang, eröffnete einen neuen Fotoladen und fand wieder zu alter Fotografierleidenschaft zurĂĽck. Es entstanden Landschaftsaufnahmen, Portraits, Stillleben und Objektbilder. 

Dass Fredy ein liebevoller Mensch war, wird nachweislich noch heute im Gerolsteiner Land thematisiert. Auch ging ihm der Humor nicht ab, was die folgende Anekdote dokumentiert: Einbrecher hatten des Nachts die Schaufensterscheiben seines Geschäfts zerschlagen. Rechtsbruch, ja! Doch der pfiffige Fredy machte daraus einen Werbespruch. Auf einem Schild stand am nächsten Morgen zu lesen: „Selbst die Einbrecher wissen es: Geh ohne Bange zu Fredy Lange!“ 

Fredy Lange starb 1989 in Gerolstein und ist auf dem Waldfriedhof bestattet. 

 Ăśber 25.000 Aufnahmen hat Fredy Lange der Nachwelt hinterlassen. Leider ging von der riesigen Postkartensammlung und den vielen tausend Negativen ein Teil bei seinem Umzug und in den Kriegswirren verloren. Doch zahllose Kostbarkeiten, Schätze und eindrucksvolle Dokumentationen jener Zeit, besonders aus der Zeit von 1945 bis 1980 sind uns erhalten geblieben. 

Fredy Langes Werk bleibt unvergessen. In Tausenden von Familien in der Heimat und weit draußen in aller Welt befinden sich Postkarten des berühmten Fotografen. Gut zu wissen, dass alle Bilder heute „gesichert“ lagern und Interessierte Zugang finden. Dazu gehört auch der Schreiber dieser Zeilen.

Quellen:

  • Schmitz Heinz, Damals in der Eifel, Wiederentdeckte Eifel-Fotos von Fredy Lange, Helios-Verlag, Aachen 1998
  • Dreesen Josef, Der Kreis Daun im Dritten Reich, Hrsg. Kreisverwaltung Daun 1990
  • Thea Merkelbach, Fredy Lange, Heimatjahrbuch  Vulkaneifelkreis 2008

Zu besonderem Dank verpflichtet bin ich der Frau Löckenhoff-Lange, Herrn Heinz Schmitz und Herrn Rainer Nowotny. Es ist mir eine große Ehre, das Erbe des verdienstvollen Fotografen durch die Buchpublikation an die Nachwelt, besonders die Bewohner der Vulkaneifel, weiterreichen zu dürfen.

 

Joachim Schröder - Mühlenweg 14 - 54597 Pronsfeld - Telefon 06556 - 7311 - e-Mail: info@joachim-schroeder.com